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Radioaktivität ist zur Aufrechterhaltung
des Lebens unverzichtbar.
Von Anfang an ist jeder Mensch natürlicher
Radioaktivität ausgesetzt; Radon macht davon einen
Großteil aus.
Das radioaktive Edelgas steht auf der einen Seite im
Verdacht, Lungenkrebs zu erzeugen, auf der anderen Seite
wird es in der Bäderkunde als Heilmittel verwendet.
"Erst die Dosis macht das Gift" - erklärt
dieser alte Grundsatz von Paracelsus den Widerspruch
zwischen heilender und schädigender Wirkung.
Was ist Radon?
Radon als Heilmittel
Wie wird eine Radontherapie durchgeführt?
Gibt es bei der Radontherapie ein
Strahlenrisiko?
Bei welchen Krankheiten ist eine Radontherapie
angezeigt?
Wem ist von der Radontherapie abzuraten?
Sind die Erfolge einer Radontherapie
wissenschaftlich belegt?
Was ist Radon?
Radon, genauer Radon-222, ist ein natürliches,
radioaktives Edelgas, das geruchs- und farblos ist.
Quelle (dieses Edelgases) ist das in der Erdrinde (überall)
enthaltene Radium, ein Metall, das wiederum durch Zerfall
von Uran entsteht. Die physikalische Halbwertzeit von
Radon beträgt 3,8 Tage, die biologische
nur 20 bis 30 Minuten. Das heißt, dass die Hälfte
des Radons nach dieser Zeit vom Körper ausgeschieden
ist. Schon nach wenigen Stunden ist kein Radon mehr
im Körper nachweisbar.
Bei der Diskussion um ein radonverursachtes
Risiko geht es eigentlich nicht um das Edelgas selbst,
sondern um seine "Töchter": Radon zerfällt
wiederum in eine Reihe kurzlebiger Folgeprodukte, in
Polonium, Wismut und Blei. Sie können zum Teil
im Körper haften bleiben, während Radon als
Edelgas keine chemischen Verbindungen im Orga-
nismus eingeht. Es zerfallen jedoch nur ein bis zwei
Prozent des Radons im Körper, sodass der Anteil
der Folge-
produkte sehr klein ist.
Die besondere biologische Wirkung des
Radons beruht auf den außerordentlich energiereichen
Alphastrahlen, die beim Zerfall entstehen. Es reichen
deshalb schon sehr niedrige Dosen aus, um einen Effekt
zu erzielen.
Radon als Heilmittel
Kann Radon nützliche Wirkungen
im Körper entfalten?
Balneologen schreiben dem radioaktiven Edelgas in niedrigen
Dosen entzündungshemmende und schmerz-
lindernde Effekte zu. Mittlerweile gibt es dafür
auch zahlreiche Hinweise aus der Grundlagenforschung:
- Die Reparaturkapazität der Zellen für
Schäden im Erbgut wird duch die Alpha-Strahlung
verbessert. Jede Zelle ist von Natur aus befähigt,
Funktionsstörungen bis hin zu bösartigen
Entartungen zu erkennen und rechtzeitig zu beseitigen.
Werden Zellen zunächst niedriger Strahlung
ausgesetzt, bleiben die sonst üblichen Schäden
der höheren Strahlendosen aus.
- Radon bzw. seine Folgeprodukte lagern sich in
fettreichen Geweben an, vor allem in der Nebennierenrinde
und im Zentralnervensystem. Das könnte eine
gesteigerte Hormonproduktion zur Folge haben.
So wird der schmerzlindernde Effekt einer Radonkur
u.a. auf die Ausschüttung von Endorphinen
(körpereigene schmerz-
lindernde Stoffe) zurückgeführt.
- Das Immunsystem wird positiv beeinflußt:
Bei Patienten mit Morbus Bechterew und degenerativen
Gelenk-
leiden hat sich durch eine Radontherapie die anfangs
erniedrigte Aktivität von Abwehrzellen normalisiert.
- Die Produktion von Radikalenfängern wird
erhöht. Sie machen freie Radikale unschädlich
- zerstörerische Stoffwechselprodukte, die
u.a. auch bei rheumatischen Prozessen eine wesentliche
Rolle spielen.
Wie wird eine Radontherapie durchgeführt?
Baden, trinken, inhalieren - das
sind die drei verschiedenen Formen der Radontherapie,
wie sie heute in den Heilbädern innerhalb der drei-
bis vierwöchigen Kuren durchgeführt wird.
- Bei Wannenbädern im radonhaltigen
Wasser gelangt das Edelgas über die Haut in
den Körper.
- Bei einer Kur im Heilstollen atmen die Patienten
die radonhaltige Luft ein. Sind die Patienten
nicht bekleidet, wird Radon gleichzeitig auch über
die Haut aufgenommen. In Badeorten mit radonhaltigen
Quellen, können
die aufsteigenden Gase auch abgefangen und den Patienten
über Hauben zum Inhalieren oder in Kabinen
als Dunstbad zugeführt werden.
- Bei den Trinkkuren mit radonhaltigem Wasser
nimmt der Blutkreislauf Radon über den Magen-Darmtrakt
auf.
Gibt es bei der Radontherapie ein Strahlenrisiko?
Schon vor hundert Jahren machte die "Schneeberger
Krankheit" von sich reden: Bergleute im Erzgebirge,
die unter-
tage über viele Jahre extrem hohen Radonkonzentrationen
ausgesetzt waren, starben früh an Lungenkrebs.
Inzwischen haben Untersuchungen einen eindeutigen Zusammenhang
zwischen Radondosen und Lungenkrebs ermittelt. Aufgrund
dieser Daten wird in Verbindung mit rein mathematischen
Modellen ein mögliches Tumorrisiko auch bei einer
Radontherapie diskutiert. Andere Krebsarten im Zusammenhang
mit Radon schließen Experten aus.
Es ist jedoch zu beachten, dass es
sich bei einer Radontherapie im Stollen um bis zu tausendfach
niedrigere Werte als in den Bergwerken handelt. Bei
einer 3-wöchigen Heilstollenkur ist "im Mittel
mit einer Ganzkörperdosis von ca. 1,8 mSv zu rechnen,
ein Wert der in etwa der durchschnittlichen Jahres-Belastung
durch Radon in der natürlichen Umgebung eine Mitteleuropäers
entspricht. Bei der Badekur summiert sich der Wert auf
noch geringere Werte." Eine Radontherapie stellt
demnach eine Belastung dar, die in der normalüblichen
Streuung untergeht - so die Experten.
Die Daten aus dem Bergbau lassen sich
auch deshalb nicht auf eine Radonkur übertragen,
weil die Luft in den Bergwerken im Unterschied zum Heilstollen
auch mit anderen Lungenkrebs erzeugenden Schadstoffen
belastet ist, wie z.B. Arsen oder Dieselabgasen. Zudem
ist der Raucheranteil - etwa jeder 10. rauchende
Bergmann bekommt Lungenkrebs - unter den Bergleuten
überdurchschnittlich hoch.
Berücksichtigt man diese Faktoren,
ist selbst bei der pessimistischen Annahme einer linearen
Dosis-Wirkungs-
Beziehung ohne Schwellenwert (= positiver Effekt von
in großen Mengen gesundheitsschädigenden
Stoffen, wenn sie in nur kleinen Mengen verabreicht
werden), wie sie der Strahlenschutz aus reinen Vorsichtsgründen
vertritt, das Lungenkrebs-Risiko einer Radontherapie
vernachlässigbar klein.
Bei welchen Krankheiten ist eine Radontherapie angezeit?
Im Laufe der fast hundertjährigen
dokumentierten Erfahrung mit der Radontherapie, haben
sich einige Krankheits-
bilder herauskristallisiert, bei denen sich die Radonkur
als spezifisch wirksam erwiesen hat. Das sind:
- Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises,
allen voran die ankylosierende Spondylitis (Morbus
Bechterew), aber auch chronische Polyarthritis
(Rheumatoide Arthritis), Arthrose und bestimmte
Formen
des Weichteilrheumatismus;
- Erkrankungen der Atemwege, wie Asthma bronchiale
oder chronische Bronchitis;
- Hautkrankheiten, wie Schuppenflechte (Psoriasis),
Sklerodermie und Neurodermitis.
Bei diesen chronischen Krankheiten kann
zwar auch das Radon keine Heilung bringen, aber wesentlich
zur Linderung der Beschwerden beitragen. Um die Lebensqualität
der Patienten dauerhaft zu verbessern, kann eine Wiederholung
der Kur alle ein bis drei Jahre angezeigt sein.
Wem ist von der Radontherapie abzuraten?
Menschen mit bösartigen oder akuten
entzündlichen Erkrankungen sowie einer Überfunktion
der Schilddrüse sollten sich keiner Radonkur
unterziehen. Kindern und Schwangeren ist ebenfalls
abzuraten. Herz-Kreislauf-Krankheiten könnten
eventuell ein Problem darstellen, das der verordnende
Arzt abklären muß. Im Heilstollen darf
man nicht unter Platzangst leiden.
Sind die Erfolge einer Radontherapie wissenschaftlich
belegt?
Schon seit Jahrhunderten genießen
einige heiße Quellen, z.B. auf Ischia oder in
Bad Gastein, den Ruf besonderer Heilkraft. Wurde bis
dahin ein "Brunnengeist" für die heilsame
Wirkung verantwortlich gemacht, entdeckten Forscher
1904 das Radon als wirksamen Bestandteil der Quellen.
Die Radontherapie ist inzwischen in einigen
klinischen Studien an Patienten wissenschaftlich untersucht
worden - mit positivem Ergebnis. Bei allen Untersuchungen
fällt auf, dass die therapeutische Wirkung des
Radons mehrere Monate anhält. In genau kontrollierten
Doppelblindstudien, bei denen weder die Patienten noch
die untersuchenden Ärzte wußten, welcher
Patient Radon erhielt und welcher nicht, wurde seine
therapeutische Wirksamkeit erhärtet.
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