Das Wesen der Kur ist die Anregung der körpereigenen Heilkräfte durch einen festen Rhythmus einer wiederholten sogenannten Reiz-Reaktions-Therapie mit Hilfe vom jeweils eingesetzten Heilmittel.

Dies geschieht im Falle der Gasteiner Heilstollentherapie durch eine Kombination von milder Überwärmungsbehandlung und gleichzeitiger Radontherapie, vorwiegend auf dem Wege der Inhalation, teilweise aber auch über die Haut. Die Reiztherapie provoziert im Körper immer wieder eine entsprechende Reaktion.

Im Falle der Gasteiner Heilstollentherapie sind dies auf Organebene eine Erhöhung der Körperinnentemperatur, Vermehrung der Durchblutung, Entspannung der Muskulatur. Auf der feinstofflichen Ebene reagieren diverse Hormone, die Zellreparaturmechanismen und vor allem die körpereigenen Botenstoffe (Zytokine, s.u.).

Eine Kur setzt generell den Körper in die Lage, auf die Reize und Belastungen
der Umwelt wieder besser reagieren zu können. Die Gasteiner Heilstollen-therapie setzt darüber hinaus ganz spezifische immunregulierende, entzündungshemmende und lang anhaltende schmerzlindernde Mechanismen in Gang.


Art und Umfang der Anwendungen in einer Kur richten sich nach der Diagnose und dem allgemeinen Kräftezustand des Patienten. Im Falle der Gasteiner Heilstollentherapie heißt das: Ein eher geschwächter Patient wird mit eher weniger Anwendungen in größeren Abständen beginnen und diese langsam steigern.
 
Für den Kurerfolg ist es generell wichtig, dass dem Körper genügend Zeit für die Reaktion auf eine Behandlung gegeben wird. So ist auch bei der Gasteiner Heilstollentherapie die Nachruhe nach den Einfahrten wichtig und ebenso die Erholungszeit zwischen den Anwendungen.

Die Aufenthaltsdauer im Therapiebereich des Gasteiner Heilstollens beträgt eine Stunde. Je nach individueller kurärztlicher Verordnung werden etwa 9 bis 12 Einfahrten innerhalb von drei bis vier Wochen durchgeführt. Positive Effekte können sich - je nach zugrunde liegendem Krankheitsbild - durchaus bereits nach wenigen Einfahrten und bei verkürzter Kurdauer einstellen.
 
Der Aufenthalt in der warmen (37-41,5°) und feuchten (70-100%) Luft führt zur Erwärmung des gesamten Körpers und damit zur Erhöhung der Körperinnentemperatur um 0,5-2°Celsius. Dieser Vorgang ist medizinisch als milde Hyperthermie beschrieben. Die Blutgefäße erweitern sich, die Atmung wird schneller, das sogenannte Herzzeitvolumen wird gesteigert und die Durchblutung in allen Regionen des Körpers vermehrt. Die Muskulatur entspannt sich. Wiederholte Hyperthermie hat bereits eine eigenständige schmerzlindernde und immunstabilisierende Eigenschaft.
 
Diese wird erheblich gesteigert durch Radon (44 Bq/l) - welches die wichtigste Wirkkomponente des Heilstollenklimas darstellt:
Nach der Aufnahme über die Lunge und über die Haut bewirkt das Radon bereits am Ort der Aufnahme eine Aktivierung der Zellmechanismen bis hin zu den Botenstoffen (Zytokinen) und verteilt sich dann mit dem (durch die Hyperthermie verbesserten)Blutstrom schnell im gesamten Körper. Es reichert sich vor allem in den gut durchbluteten fettreichen Gewebe an, zum Beispiel den hormonproduzierenden Drüsen. Die vom Radon während seines weiteren radioaktiven Zerfalles ausgesandten alpha-Teilchen stimulieren überall die zellulären Stoffwechselvorgänge und Reparatur-mechanismen bis hin zu den Zytokinen. Speziell das entzündungshemmende und heilungsfördernde Zytokin, der körpereigene Botenstoff TGF-Beta wird aktiviert.

Dieser Effekt ist wissenschaftlich nachgewiesen und erklärt uns erstmals seit Entdeckung der Heilkraft des Radon plausibel den Mechanismus der positiven therapeutischen Wirkungen der Gasteiner Heilstollentherapie, nämlich der anhaltenden Schmerzlinderung auf der Grundlage der Entzündungshemmung und der Immunstabiliserung.

Seit den 50er Jahren werden, vor allem in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und der Universität Wien wissenschaftliche Forschungsarbeiten zur Heilstollentherapie durchgeführt. Entscheidend für das Verständnis der Wirkungsweise ist der kürzlich gelungene Nachweis der Einflussnahme der Heilstollentherapie auf die immunologisch gesteuerten Entzündungsprozesse.

In Zusammenarbeit mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Zytokinforschung in Wien konnte bei 80 Patienten mit M. Bechterew gezeigt werden, dass der körpereigene Botenstoff TGF-Beta - ein Gegenspieler des TNF-Alpha - aktiviert wird. Der Nachweis der - hierdurch erklärten - lang anhaltenden positiven Wirkung auf Schmerzen, Funktionseinschränkung und vor allem auf den Schmerzmittel-Konsum ist in mehreren kontrollierten klinischen Studien erbracht worden. Nachfolgend sind die wichtigsten Heilanzeigen zusammengefasst:

Die wichtigsten Indikationen:
(nach Univ.-Prof. Dr. P. Deetjen 2005)

Chronische Schmerzen und Funktionsstörungen bei Erkrankungen des
Bewegungsapparates:

  • Chronische entzündlich-rheumatische Erkrankungen, insbesondere Morbus Bechterew bzw. Spondylarthropathien sowie Chronische Polyarthritis (Rheumatoide Arthritis)
  • Degenerative Erkrankungen der großen und kleinen Gelenke (Arthrosen)
  • Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule (Spondylosen, Spondylarthrosen, Osteochondrosen)
  • Chronische Discopathien, auch postoperativ
  • Osteoporose
  • Fibromyalgie-Syndrom
  • Psoriasisarthropathie bzw. Arthritis psoriatica
  • Chronische Arthritis urica
  • Chronische Folgen von Unfällen und Sportverletzungen
  • Neuralgien, Neuritiden, Polyneuropathien

Störungen der Regeneration, Zirkulation und immunologischen Balance der Haut:

  • Schlecht heilende Wunden, insbesondere Ulcus cruris
  • Neurodermitis
  • Psoriasis vulgaris
  • Sklerodermie
  • Periphere Durchblutungsstörungen leichten Grades

Funktionsstörungen der Atemwege:

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
  • Asthma bronchiale
  • Chronische Sinusitis
  • Heuschnupfen

Praeklimakterische und klimakterische Beschwerden

Geroprophylaxe



Die besten Erfolge können bei entzündlichen und nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen erzielt werden. Patienten mit Morbus Bechterew berichten zu 80 bis 90 % von einer Schmerzreduktion nach der Heilstollentherapie (mit 8-12 Einfahrten). Schmerzlindernde Medikamente werden anhaltend reduziert oder teilweise ganz abgesetzt. Der Kurerfolg in seinem vollen Ausmaß ist nicht während der Kur, sondern erst nach etwa 4-8 Wochen zu erwarten. Diese Besserung hält dann etwa 6 bis 9 Monate an. Patienten mit rheumatoider Arthritis (chronische Polyarthritis) berichten über einen ähnlichen Verlauf nach der Kurbehandlung. Die Erfolge sind steigerbar, wenn die Stollentherapie kombiniert wird mit einem erweiterten physiotherapeutischen Programm.

Bei Patienten mit Arthrosen (degenerative Veränderungen der Gelenke) oder mit Wirbelsäulenbeschwerden (degenerativ oder durch Bandscheibenschaden bedingt), ist eine Besserung oft schon nach 4-6 Einfahrten zu erreichen. Die Stollenbehandlung und zusätzliche Anwendungen führen zu einer Lockerung der Muskulatur (und damit Schmerzlinderung) und einer verbesserten Beweglichkeit. Unter der kompetenten Anleitung durch die Physiotherapeuten können Bewegungsübungen, Muskelaufbautraining und günstige sportliche Übungen für die spätere selbständige Anwendung zu Hause erlernt werden, um den langfristigen Erfolg abzusichern. Die Schmerztherapie wird ganzheitlich unterstützt durch zusätzliche Angebote aus der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Die Gasteiner Heilstollen-Kur ist auch bestens geeignet zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, zum Beispiel Asthma bronchiale und chronischer Bronchitis sowie chronische Sinusitis. Die warme, feuchte und staubfreie und allergenfreie Luft des Heilstollens sind in Verbindung mit der unmittelbaren Radoneinwirkung am Atemtrakt verantwortlich für die positive Wirkung. Die Lungenfunktion verbessert sich, der Gebrauch von broncholytischen Sprays wird reduziert, die Anfallshäufigkeit sinkt. Spezielle Allergien sollten bei der Planung der Kur berücksichtigt werden, um die optimale Jahreszeit (z.B. ohne Pollenflug) auszuwählen und damit den Kurerfolg zu steigern.

Auch Hauterkrankungen wie die Psoriasis (Schuppenflechte), die Neurodermitis und sogar frühe Stadien der Sklerodermie reagieren ausgesprochen positiv auf die Heilstollentherapie.

Immer dann, wenn es um Schmerzen am Bewegungsapparat und/ oder um Störungen des Immunsystems geht,
ist die Heilstollentherapie prinzipiell sinnvoll.

Neben den genannten Indikationen gibt es eine Vielzahl weiterer Erkrankungen, bei denen die Patienten im Einzelfall über erstaunliche Besserungen nach der Heilstollenkur berichten. Diese umfassen u.a. den M. Boeck (chronische Sarkoidose), die MS (Multiple Sklerose), allgemeine Infektanfälligkeit sowie hormonelle und vegetative Störungen.

Eine zunehmende Zahl von Kurgästen führt die Heilstollenkur auch vorbeugend zur Immunstabilisierung, Vitalisierung und zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens durch.

Kinder mit Asthma bronchiale und Neurodermitis können im Heilstollen behandelt werden, wenn die übliche Behandlung keinen befriedigenden Erfolg gebracht hat bzw. wenn die notwendigen Medikamente (insbesondere langfristig Cortison) zu nebenwirkungsreich sind. Die Indikationsstellung zur Heilstollenkur sollte mit dem behandelnden Kinderarzt besprochen werden.

 

- Gegenanzeigen-


Kontraindikationen
für die Heilstolleneinfahrten sind schwere Formen von Herzerkrankungen mit einer stark eingeschränkten Belastbarkeit (z.B. schwere Herzrythmusstörungen, Hinweise auf Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße im Belastungs-EKG), schwere medikamentös nicht beherrschbare Formen von Bluthochdruck, Gefäßengen der Gehirnarterien, schwere Nierenfunktionsstörungen, akute Infektionskrankheiten, bösartige Tumorerkrankungen (bis zum Ablauf von einem Jahr nach erfolgreicher Therapie). Eine Schwangerschaft soll ausgeschlossen sein bzw. eine sichere Verhütung im Kurverlauf gewährleistet sein.

Da die Behandlung in einem Stollen untertage stattfindet, stellt auch eine ausgeprägte Angst vor engen Räumen (Claustrophobie) eine Gegenanzeige dar.

Am Tag der Heilstolleneinfahrt sollten keine weiteren Wärmeanwendungen durchgeführt werden.
Körperliche Anstrengungen sind ebenfalls nicht empfehlenswert.

 


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